OKR . Chancen nutzen, Herausforderungen meistern | 13.03.2025
Vorteile und Nachteile von OKR

Lesedauer
12 Minuten
Author
Cyrill Kuster
Objectives and Key Results (OKR) bieten als agiles Framework alle Voraussetzungen für erfolgreiche Strategiearbeit in einem dynamischen Umfeld. Die Wirksamkeit entsteht durch Fokussierung, Transparenz und eine outcome-orientierte Arbeitsweise. Vor der Einführung von OKR im Unternehmen ist es jedoch erforderlich genau zu betrachten, welche Vorteile aber auch welche Herausforderungen OKR mit sich bringt. In diesem Beitrag beleuchten wir die wichtigsten Vorteile und Herausforderungen und zeigen, wie Unternehmen die Potenziale von OKR bestmöglich und auf ihre Bedürfnisse abgestimmt nutzen können.
Vor und Nachteile des OKR-Framework
Objectives and Key Results (OKR) haben sich als leistungsstarkes Framework für Strategieumsetzung und Zielorientierung etabliert. Unternehmen weltweit setzen auf OKR, um Fokus, Transparenz und ambitionierte Fortschritte zu gewährleisten. Doch wie bei jeder Methode gibt es auch Herausforderungen und potenzielle Nachteile, die es zu beachten gilt. In diesem Artikel beleuchten wir die Vor- und Nachteile von OKR, um Unternehmen eine fundierte Entscheidungsgrundlage für den erfolgreichen Einsatz dieses Frameworks zu bieten.
Die grössten Vorteile von OKR
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Ausrichtung
Bessere Abstimmung zwischen individuellen und Unternehmenszielen.
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Innovation
Förderung von ambitionierten Zielen und Kreativität.
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Engagement
Höhere Motivation der Mitarbeitenden.
Vorteil 1:
Strategische Fokussierung
Strategische Ziele konsequent zu verfolgen und wirkungsvoll umzusetzen, zählt zu den größten Herausforderungen in einer zunehmend dynamischen und komplexen Geschäftswelt. Unternehmen müssen ihre Ressourcen gezielt auf die wichtigsten Prioritäten ausrichten, um langfristig erfolgreich zu bleiben.
OKR (Objectives and Key Results) bietet hierfür einen klaren Rahmen, der strategische Ziele in den Mittelpunkt rückt und operative Maßnahmen gezielt darauf ausrichtet. Durch unternehmensweite Ausrichtung sorgt OKR dafür, dass alle Mitarbeitenden und Teams auf die gleichen übergeordneten Ziele hinarbeiten. Strategische Prioritäten werden auf allen Ebenen präzise formuliert und durch konkrete, messbare Key Results regelmäßig überprüft. Dies schafft Transparenz, hilft Ablenkungen zu vermeiden und stellt sicher, dass Ressourcen zielgerichtet eingesetzt werden.
Darüber hinaus verbindet OKR langfristige Visionen mit kurzfristigen strategischen Zielen. Während die Vision als übergeordnete Leitlinie dient, unterteilt OKR den Weg dorthin in klare, umsetzbare Schritte. Teams erhalten so nicht nur Orientierung, sondern können aktiv an der Zielerreichung mitwirken, Fortschritte regelmäßig reflektieren und ihre Maßnahmen flexibel anpassen.
Praxisbeispiele zur Fokussierung
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«Pro Juventute nutzt OKR, um ihre Unternehmensstrategie klarer zu fokussieren und gleichzeitig das System der kollegialen Führung zu stärken. Mit dem Objective „Die Wirkung unserer Angebote für Kinder und Jugendliche messbar steigern“ und Key Results wie der Erhöhung der Reichweite ihrer Online-Beratungsplattform um 25 % oder der 50% erhöhten Buchungen under Schulworkshops, bündelte die Organisation ihre Ressourcen effektiver. Die kollegiale Führung ermöglichte den Teams, eigenverantwortlich an den priorisierten Zielen zu arbeiten, wodurch Pro Juventute nicht nur ihre strategischen Ziele erreichte, sondern auch die Eigenverantwortung der Mitarbeitenden stärkte.»
Pro Juventute
Vorteil 2:
Agilität und Flexibilität
OKR sorgt für ein hohes Maß an Agilität in der Strategiearbeit, indem die Ziele und Ergebnisse klar definiert und für alle im Unternehmen transparent gemacht werden. Jedes Team weiss, woran es arbeitet und wie dies zur übergeordneten Strategie beiträgt. Diese Offenheit sorgt für gegenseitige Verständnis und fördert die Zusammenarbeit zwischen Teams und Abteilungen.
Gleichzeitig schafft der regelmäßige Austausch die erforderliche Flexibilität, auf veränderte Marktbedingungen schnell und adäquat zu reagieren. Herausforderungen können frühzeitig identifiziert und gemeinsam gelöst werden, auch in komplexen Organisationen. Dies minimiert Silodenken und erleichtert es, Synergien zu schaffen, welche das Unternehmen in seiner Marktposition sichern.
Praxisbeispiel:
Eine internationale NGO, die mit OKR arbeitete, stellte sicher, dass alle Teams ihre Ziele in einem zentralen Dashboard sichtbar machten. Dies erleichterte die Zusammenarbeit, indem Abteilungen wie Fundraising und Projektmanagement ihre Aktivitäten aufeinander abstimmen konnten. Ein klares Key Result, wie „Erhöhung der Spenden von 13 auf 15 % durch koordinierte Kampagnen“, führte zu einem messbaren Erfolg, der nur durch die erhöhte Transparenz und Zusammenarbeit möglich war.
Die durch OKR geschaffene Transparenz sorgt somit dafür, dass alle Beteiligten besser informiert und auf ein gemeinsames Ziel ausgerichtet sind – ein entscheidender Vorteil in einer dynamischen und vernetzten Arbeitswelt.
Vorteil 3:
Erhöhte Transparenz und Zusammenarbeit
Einer der großen Vorteile von OKR ist die Förderung von Transparenz über alle Ebenen in Unternehmen. Dadurch ermöglicht das Framework das Ausmerzen von Silodenken und -Handeln, gleichzeitig sorgt es für eine bessere Zusammenarbeit. Durch klar definierte regelmäßige Abstimmungen können Veränderungen im Markt, bei Kundenbedürfnissen oder interne Herausforderungen schnell in die strategische Umsetzung aufgenommen werden. Unternehmen können ihre Prioritäten kontinuierlich neu ausrichten und sicherstellen, dass ihre strategischen Ziele immer an die aktuellen Gegebenheiten angepasst sind.
Die Transparenz trägt überdies zur Motivation der Mitarbeitenden bei. Durch die Offenlegung der kompletten Strategie über alle Ebenen, ist für jeden Einzelnen im Unternehmen klar, welchen Beitrag er oder sie zum großen Ganzen leisten und damit für den Fortschritt des Unternehmens unterstützen kann.
Praxisbeispiel:
Ein Softwareunternehmen setzte OKR ein, um seine Produkteinführung flexibler an Kundenfeedback anzupassen. Ein Key Result wurde während des Quartals von „Fertigstellung des Prototyps“ auf „Integration von mindestens zwei Kundenfeedbacks in den Prototyp“ geändert. Dadurch konnte das Produkt besser auf die Zielgruppe abgestimmt werden, was die Markteinführung erfolgreicher machte. Gleichzeitig folgte das Unternehmen dem in OKR wichtigen Fokus auf den tatsächlichen Nutzen (Outcome) statt nur auf die Fertigstellung (Output).
Mit OKR können Unternehmen agil agieren, ohne dabei die strategische Richtung zu verlieren – ein entscheidender Vorteil, um wettbewerbsfähig und innovativ zu bleiben.
Vorteil 4:
Motivation und Engagement
OKR verbindet Sinnhaftigkeit, Weiterentwicklung und Selbstständigkeit – die Schlüsselfaktoren für intrinsische Motivation. Es schafft Klarheit darüber, welche Rolle Mitarbeitende einnehmen und wie ihr Beitrag zum Unternehmenserfolg aussieht.
Dadurch steigt Motivation und Engagement. Teams arbeiten eigenverantwortlich an Lösungen, während sie sich an den übergeordneten Zielen orientieren. Sie erleben direkt, wie ihre Arbeit einen Unterschied macht, was ihre Identifikation stärkt und ihre Bereitschaft fördert, sich weiterzuentwickeln.
Praxisbeispiel:
Ein Bildungsunternehmen setzte OKR ein, um die Zufriedenheit der Kunden zu steigern. Mit einem Objective wie „Unsere Teilnehmenden begeistern und langfristig binden“ und Key Results wie „Steigerung der Weiterempfehlungsrate um 20 %“ und „Erhöhung der positiven Rückmeldungen in Umfragen auf 4,8 von 5“ fühlten sich die Mitarbeitenden direkt für die Ergebnisse verantwortlich. Die Möglichkeit, eigene Ideen zur Zielerreichung beizutragen, steigerte ihre Motivation und das Engagement für die gemeinsame Mission.
Durch die klare Zielsetzung und die Möglichkeit zur Mitgestaltung schafft OKR eine Umgebung, in der Mitarbeitende motiviert sind, ihr volles Potenzial einzubringen – und das Unternehmen langfristig erfolgreicher wird.
Vorteil 5:
Outcome Orientierung
In Unternehmen arbeiten Teams normalerweise an Tasks, ToDos, Aktivitäten, Produkten, Features, Konzepten oder gar User Stories bzw. Epics. Diese können unter dem Begriff „Outputs“ zusammengefasst werden. Man erarbeitet etwas und stellt es fertig. Outcome hingegen beschreibt eine Verhaltensänderung eines Menschens (idealwerweise des Kunden), welche den Unternehmenserfolg positiv beinflusst.
Um diesen Unterschied konkret zu formulieren, bedarf es ein wenig Übung und Erfahrung.
Häufig kommen zusätzlich noch KPIs (Key Performance Indikatoren) hinzu, wie der erwartete Umsatz, Gewinn oder die gewünschte Anzahl verkaufter Produkte. Beides – sowohl Outputs als auch Impacts – finden sich normalerweise in klassischen Zielsystemen als Ziele wieder. Aber beide sind höchst ungeeignet, um die Organisation in einem dynamischen Umfeld wirklich vorwärtszubringen. Es fehlt die Orientierung. Daher konzentriert sich OKR auch auf das Bindeglied zwischen diesen – den sogenannten Outcomes.
Praxisbeispiel:
Ein Unternehmen misst seine strategischen Ziele bisher nur mit harten Zahlen. Doch diese Werte sinken zuletzt stark – das Unternehmen scheint an den Bedürfnissen des Marktes vorbeizuentwickeln. Eine Umfrage zeigt: Kunden schätzen vor allem frühere Produkte und Dienstleistungen, die heute nicht mehr angeboten werden.
Ein Rückblick macht deutlich: Die Unternehmensvision und die aktuelle Produktstrategie gehen inzwischen in unterschiedliche Richtungen.
Hier setzt OKR an: Durch eine klare Ausrichtung auf die Vision (oder andere strategische Elemente), sorgt das Framework dafür, dass nicht nur Zahlen erfüllt werden, sondern sich das Unternehmen gezielt in eine kundenorientierte Richtung weiterentwickelt. So bleibt die Marktposition langfristig klar und die Kundenbindung stark.

Nicht immer ist OKR die richtige Lösung
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OKR-Spezialist, Berater und Coach
Die grössten Nachteile von OKR
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Hoher Einführungsaufwand
Die Einführung von OKR erfordert ein Umdenken in der Organisation. Es braucht Zeit, um die Methode zu verstehen, richtig anzuwenden und mit bestehenden Prozessen zu verzahnen. Ohne ausreichende Schulung und Begleitung kann die Umsetzung scheitern.
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Gefahr der Überlastung
Oft setzen Unternehmen zu viele OKRs oder formulieren zu ambitionierte Ziele, was zu Überforderung führen kann. OKR sollte Klarheit schaffen, doch ohne eine klare Priorisierung kann es schnell zu einem zusätzlichen administrativen Aufwand werden.
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Konflikte mit bestehender Unternehmenskultur
OKR setzt eine offene, transparente und agile Kultur voraus. In hierarchisch geprägten Unternehmen oder in Umfeldern mit geringer Eigenverantwortung kann die Einführung auf Widerstand stossen.
Nachteil 1:
Überbelastung durch zusätzliche Aufgaben
Ein Übermaß an Arbeit, mangelnde Unterstützung oder ineffiziente Arbeitsbedingungen können zur Überlastung von Mitarbeitenden führen. Sind diese Voraussetzungen im Rahmen einer OKR-Einführung gegeben, wird dieses häufig zum Faktor, der das Fass zum Überlaufen bringt. Die neuen Impulse durch OKR werden als zusätzliche Belastung empfunden und nicht als neue Herangehensweise. Die Frage, die sich das Unternehmen deshalb stellen sollte: Sind Zeitpunkt und Voraussetzungen geeignet, um OKR wirksam im Unternehmen zu etablieren?
Nachteil 2
Fehlanwendungen und Missverständnisse
Um OKR sinnvoll und wirksam einzusetzen braucht es Zeit, Ressourcen, intensives Training und Geduld.
In vielen Unternehmen wird OKR wieder gestoppt, weil es ohne richtige Ausbildung „einfach mal“ gestartet wurde. Die Folge: Es wird beispielsweise als Projektmanagement für die operativen Projekte verwendet. Der Aspekt „Outcome“* wird dabei völlig außer Acht gelassen. Die Folge? Projektmanagement mit einer neuen Methode frustriert alle Beteiligten. Nicht selten klagen Mitarbeitende über die vielen erforderlichen Meetings sowie ewige Diskussionen um Formulierungen, welche den Prozess aufhalten und mehr Zeit in Anspruch nehmen, in Zeiten von Ressourcenknappheit.
*Definition Outcome: Ein Outcome beschreibt die spürbare Veränderung oder Wirkung, die durch eine Maßnahme oder ein Ziel erreicht wird – meist in Form eines verbesserten Verhaltens, Erlebnisses oder Ergebnisses für Kunden oder Nutzer.
Fazit
OKR ist ein kraftvolles Framework, das Unternehmen helfen kann, ihre Strategie klarer umzusetzen, Prioritäten zu setzen und ambitionierte Ziele zu erreichen. Allerdings ist die erfolgreiche Einführung nicht selbstverständlich. Die größten Herausforderungen liegen in der aufwendigen Implementierung, der Gefahr einer zu starken Fokussierung auf messbare Ergebnisse sowie potenziellen Konflikten mit bestehenden Unternehmenskulturen.
Um diese Nachteile zu vermeiden, braucht es eine bewusste Einführung mit klarer strategischer Verankerung, eine realistische Erwartungshaltung und eine Unternehmenskultur, die Transparenz und Eigenverantwortung fördert. Richtig eingesetzt, kann OKR ein wertvolles Instrument für langfristigen Erfolg sein – doch es bleibt kein Selbstläufer.